WEIL JEDE SEKUNDE ZÄHLT - Rollende Super-Klinik für Schlaganfall-Patienten (German)

09.03.2017 - 12:20 Uhr


Der Computertomograph erstellt 25 Schichtbilder vom Kopf des Patienten. Zudem können Gefäßaufnahmen mit Kontrastmittel angefertigt werden.
Foto: Charles Yunck

von: BIRGIT BÜRKNER

Sie sehen plötzlich Doppelbilder, haben Sprachstörungen, ein Arm und ein Bein sind taub. Ein Schlaganfall!

Von nun an sterben pro Minute 1,9 Millionen Nervenzellen ab, 714 Kilometer Nervenfasern (Strecke Berlin – Venedig) gehen zugrunde. Berlins neue rollende 250 PS starke Super-Schlaganfall-Klinik kann den Prozess schnell stoppen. Weil jede Sekunde zählt!

Seit Mittwoch ist das Stroke-Einsatz-Mobil (STEMO, stroke engl. für Schlaganfall) am Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn stationiert. Es erreicht im Bedarfsfall 1,2 Millionen Berliner in den östlichen Bezirken (Marzahn-Hellersdorf, Lichtenberg, Treptow-Köpenick, Pankow).


Das neue Stroke- Einsatz-Mobil kostet eine Million Euro, die Kosten trägt Berlin.
Foto: Charles Yunck

Das weltweit erste STEMO steht seit 2011 in einer Wache in Wilmersdorf, deckt bereits Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf, Teile von Schöneberg und Spandau ab. Noch in diesem Jahr soll ein drittes Mobil hinzukommen.

„Wir prüfen momentan den besten Standort“, so Feuerwehrchef Wilfried Gräfling. Sowie ein viertes als Reserve.

„30 Prozent der Betroffenen erleiden bleibende Behinderungen, bis zu 30 Prozent versterben. Je schneller das verschlossene Gefäß wieder geöffnet wird, desto geringer fallen die Schäden aus“, sagt Dr. Ingo Schmehl (49), Chef-Neurologe des UKB.


Über Monitore können zugeschaltete Ärzte Ratschläge zur Behandlung geben.
Foto: Charles Yunck


Der Defibrillator überwacht Herzströme, Blutsauerstoffgehalt und Blutdruck. Er löst bei Kammerimmern einen Elektroschock au.
Foto: Charles Yunck

Die Zeit bis zur hirn- und lebensrettenden Behandlung verkürzt sich mit dem Schlaganfall-Mobil um durchschnittlich 30 Minuten. Es ist mit Computertomographen, Labor, Kamera und Monitoren ausgestattet.

„Direkt im Auto können wir sehen, ob ein Blutgefäß verstopft oder gerissen ist“, sagt Dr. Matthias Wendt (40), Neurologe und Notfallmediziner des Schlaganfall-Mobils.


Auf dem CT- Monitor sieht der medizinisch- technische Röntgenassistent die aufgenommenen CT-Bilder, sendet sie dem diensthabenden Röntgenarzt im UKB.
Foto: Charles Yunck

Ein Röntgenassistent sendet Schichtbilder vom Kopf des Patienten an den diensthabenden Röntgenarzt im UKB, der den Ort des Verschlusses lokalisiert. „Bei einer Verstopfung leiten wir gerinnsellösende Medikamente ein“, so Wendt. Zeitgleich können weitere Experten per Kamera und Monitor hinzugeschaltet werden.

„Wir erhoffen uns durch das neue STEMO weniger Behinderungen und bessere Überlebens-chancen für Patienten“, sagt Heinrich Audebert (49), Professor des Charité-Zentrums für Schlaganfallforschung.

Zusammen mit UKB-Chef Axel Ekkernkamp (59) und Feuerwehrchef Gräfling stellte er das Projekt STEMO II auf die Beine. Ekkernkamp: „Es ist die Erfüllung eines Traums.“


Der sogenannte Perfusor ist eine Spritzenpumpe, mit der dem Patienten über einen bestimmten Zeitraum hinweg Medikamente injiziert werden.
Foto: Charles Yunck


In den Wänden des Wagens liegt eine zwei Millimeter dicke Bleischicht, damit keine Röntgenstrahlung nach außen tritt.
Foto: Charles Yunck


Im Laborgerät im vorderen Teil des Wagens wird das Blut des Patienten untersucht.
Foto: Charles Yunck


Das mobile maschinelle Beatmungsgerät kommt zum Einsatz, wenn ein Patient nicht mehr in der Lage ist, selbst zu atmen.
Foto: Charles Yunck